Klimainiative wird zum Verein

Giessener Anzeiger vom 22.9.2021

Aus einer Bürgerinitiative wurde ein gemeinnütziger Verein.

Die Klimainitiative Linden wurde nun durch zehn Gründungsmitglieder im Evangelischen Gemeindehaus Großen-Linden aus der Taufe gehoben. Einstimmig wurde die von Pfarrer Axel Zeiler-Held vorgestellte Satzung beschlossen und dieser zum Gründungsvorsitzenden gewählt. Dem vierköpfigen Vorstand gehören als stellvertretende Vorsitzende Dr. Sandra Herrmann, Schatzmeisterin Eva Gries und Schriftführerin Janine Stein an. Beschlossen wurde ein Mindestmitgliedsbeitrag für Personen ab 16 Jahren von sechs Euro jährlich, um möglichst vielen Menschen eine Mitgliedschaft zu ermöglichen.
25 Monate zuvor war die Klimainitiative Linden an gleicher Stätte als Bürgerinitiative ins Leben gerufen worden. Vor allem durch Fahrradprotest- und Müllsammelaktionen, aber auch durch zwei Klimatage setzte die Bürgerinitiative Akzente. Ausgearbeitet und vorgestellt wurde auch ein Verkehrswendeplan. Als Verein will die Klimainitiative den Umweltschutz, insbesondere den Klimaschutz, in Linden nachhaltig unterstützen und fördern. „Die Gründungsmitglieder kommen aus der Mitte der Gesellschaft und wollen dem Klimawandel bürgerschaftliches Engagement entgegensetzen mit dem Ziel, hierdurch zu einem Umdenken bei den Bürgern und der Politik beizutragen. Insbesondere geht es um die Reduzierung des Ausstoßes klimarelevanter Emissionen in der Stadt Linden, die Förderung und Nutzung von regenerativen Energiepotenzialen und die aktive Förderung von Klimaschutzmaßnahmen und -projekten jeglicher Art; die Information für die Bürger ‚sowie Unternehmen über Maßnahmen des Klimaschutzes und der COz-Reduzierung; die Vernetzung unterschiedlicher Akteure und die Einbindung bestehender Initiativen. Dies geschieht durch Informations-, Aufklärungs: und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Durchführung von Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz.
Der Verein handelt in sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung und fühlt sich im hohen Maße dem Gedanken des Umweltschutzes im Allgemeinen und des Klimaschutzes innerhalb der Region Linden im Besonderen verpflichtet. Der Verein ist parteipolitisch neutral. „Jedes Amt ist Frauen, Männern und Menschen diversen Geschlechts zugänglich“, heißt es in der Präambel des neugegründeten Vereins.
Als Vereinszweck festgelegt wurde die Förderung des Umweltschutzes, insbesondere des Klimaschutzes, in Linden und der Förderung des bürgerschaflichen Engagements zugunsten gemeinnütziger Zwecke. Ziel des Vereins ist es, durch lokales bürgerschaftliches Engagement ‚einen Beitrag zum Klimaschutz in Linden zu leisten. Dies soll durch stetiges und regionales Vernetzen der Bürger, der Unternehmen, der Verwaltung und der politischen Mandatsträger zum Zwecke des Erfahrungsaustauschs und der Förderung klimafreundlicher Maßnahmen; Initiieren, Koordinieren und Durchführen gemeinschaftlicher Aktionen, Kampagnen und Veranstaltungen; Aufarbeitung und verfügbar machen von Informationen; Förderung von umweltverträglichen Maßnahmen wie den Ausbau von regenerativen Energien auf Basis von Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme und Biomasse; Förderung von klimafreundlichen Mobilitätskonzepten durch Information und ehrenamtliches Engagement erreicht werden.
Festgelegt wurde, dass der Vorstand aus Vorsitzender, stellvertretender Vorsitzender, Schatzmeister und Schriftführer sowie maximal zwei Beisitzern besteht und durch die Mitgliederversammlung für drei Jahre gewählt wird. Diese muss stets im ersten Quartal eines Jahres einberufen werden. Nach den Vorstandswahlen und der Festlegung des Mitgliedsbeitrags ging es abschließend um anstehende Termine. Erneut wurde durch Hessen Mobil der für Oktober beantragte Pop-up-Fahrradweg in der Frankfurter Straße in Großen-Linden mit dem Hinweis auf den hier durchfahrenden Schwerlastverkehr nicht genehmigt. Eine mögliche Klage wurde verworfen, da eine solche nicht dem Vereinszweck dienlich wäre, die Bürger für die Vereinszwecke zu gewinnen. Bei Popup-Fahrradwegen handelt es sich um eine Art leichtes Herantasten an die Möglichkeit, Autofahrer und Radfahrer separat einen getrennten Bereich anzubieten. Denn nur dann können beide Fortbewegungsmittel optimal genutzt werden, wie mit einem Hinweis auf die Radnationen Niederlande oder Dänemark, wo Pendler fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs sind, angemerkt wurde.
Ein weiteres bereits angestoßenes Projekt, das nun angegangen werden soll, ist die Umwidmung des Mittelwegs zur Fahrradstraße. Hierzu soll es einen Informationsstand, am besten in Verbindung mit der Umsetzung dieses bereits der Stadt vorliegenden Wunsches der Klimainitiative, vor Ort geben.
Weiterhin soll der bereits erarbeitete und vorgestellte Verkehrswendeplan den Bürgern nähergebracht werden.

Fahrraddemo für die Umwelt in Linden

Zur Fahrraddemo zu Halloween hatte die Klimainitiative Linden eingeladen.

Die Klimainitiative Linden hatte zur Fahrraddemo eingeladen, im Vorfeld von Halloween auch gerne verkleidet. Foto: Wißner

LINDEN – Nur ein wenig gruselig ging es am Freitagnachmittag in Linden zu. Erstmals gab es eine Halloween-Fahrraddemo. Dazu hatte die Klimainitiative Linden aufgerufen, um nicht nur auf ihr Anliegen für mehr Klimaschutz, Naturschutz und ein besseres Radwegenetz in Linden aufmerksam zu machen, sondern auch den Kindern in Coronazeiten eine Möglichkeit zu bieten, sich zumindest zu kostümieren. Von der Sammlung von Süßigkeiten hatten offizielle Stellen aufgrund der Pandemie abgeraten.

Zwanzig Teilnehmer konnte Dr. Sandra Herrmann zur Stadtrundfahrt begrüßen, wobei jedoch nicht nur die Kinder, die Gelegenheit zur Kostümierung nutzten, sondern auch der ein und andere Erwachsene sich passend zum Motto gekleidet hatte. Auch konnten sich Teilnehmer noch vor dem Start passend schminken lassen.

Noch bevor es zur Zehn-Kilometer-Tour durch die Stadt ging unterstrich Herrmann in einer kurzen Ansprache, dass gerade der Verkehr in Deutschland einen sehr hohen Energiebedarf habe und dieser für eine Umstellung auf CO2-Neutralität bis 2035 erheblich verringert werden müsse. Verantwortlich für den hohen Energiebedarf sei maßgeblich der Auto- und Lkw-Verkehr. Vor diesem Hintergrund müsse eine Verkehrsvermeidung und Verlagerung, signifikant höhere CO2 Preise auf fossile Kraftstoffe und die Abschaffung der vielfältigen klimaschädlichen Subventionen im Verkehr, aber auch die Steuerbefreiung von Flugbenzin, das Diesel- wie auch das Dienstwagenprivileg angegangen werden.

„Dies bedeutet für den Personennahverkehr auch in Linden, dass der Autoverkehr bis 2035 halbiert und parallel dazu die Kapazität des öffentlichen Verkehrs verdoppelt werden muss. Zudem ist der Pkw-Bestand in Städten auf ein Drittel des heutigen Wertes zu senken und im Gegenzug ein Ausbau der Rad- und Fußinfrastruktur sowie des Nahverkehrs zu verfolgen.

Das müsse einhergehen mit Push-Faktoren wie City-Maut, Tempolimits und Reduzierung von Fahrspuren und Parkplätzen.“ Weil es in Europa um den Zustand der Natur schlecht bestellt sei, werde darüber hinaus eine Agrarwende gefordert. „In der gesamten EU sind nicht nur einzelne Artengruppen wie zum Beispiel Vögel, sondern ganze Lebensräume wie Moore, Grünland oder Wälder zunehmend gefährdet. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt der kürzlich veröffentlichte Bericht zur Lage der Nation in Europa der Europäischen Umweltagentur. 80 Prozent der Lebensräume sind demnach EU-weit in einem unzureichenden oder schlechten Zustand“, unterstreicht Herrmann. Die Umweltaktivistin verweist darauf, dass Wissenschaftler als Hauptursachen für den Artenschwund „wieder und wieder die intensive Landwirtschaft benennen. Hoffnung auf eine Kehrtwende mache die sogenannte „Farm to Fork“-Strategie, die Mitte des Jahres von der EU-Kommission bekannt gegeben wurde. Diese habe das Ziel, das europäische Lebensmittelsystem gesünder und nachhaltiger zu gestalten. „Vorgesehen sind der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft um die Reduzierung des Einsatzes von gefährlichen Pestiziden und Düngemitteln“.

Die Frage, was getan werden könne, beantwortete die Sprecherin mit dem Appell, Bio-Lebensmittel beim Erzeuger oder Direktvermarkter zu kaufen, „eine weitere Petition zeichnen und bei der nächsten Wahl das Kreuz an die richtige Stelle setzen“. Bürgermeister Jörg König hatte zu Halloween Kinder und Erwachsene in einem Aufruf der Stadt gebeten, „den Brauch von Haustür zu Haustür zu ziehen, um Süßigkeiten einzusammeln, in diesem Jahr ausfallen zu lassen“. So war die Teilnahme an der Halloween-Fahrraddemo auch für die Kinder eine tolle Gelegenhei,t sich mit ihren Kostümen zu präsentieren – und es soll sogar Süßigkeiten gegeben haben – wenn auch nur von den teilnehmenden Eltern.

Quelle: Gießener Anzeiger vom 01.11.2020 (https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/landkreis/fahrraddemo-fur-die-umwelt-in-linden_22523974?fbclid=IwAR2JMqC3pb1oPBIeHgzsZtF1hYXWpuvfU3DIrr2SRM2KI8qcu6ITi7j8x84)

Linden soll fußgänger- und fahrradfreundlicher werden

Mit einer symbolischen Taufe wird das E-Lastenfahrrad „Danni“ offiziell seiner Bestimmung übergeben. FOTO: CON© Constantin Hoppe

Linden(con). Mit einer Taufe der besonderen Art feierte die Klima-Initiative Linden am Freitag ihren ersten Jahrestag: Sie war seinerzeit ins Leben gerufen worden, um das Augenmerk von Politik und Bevölkerung in Linden verstärkt auf den Klimaschutz zu lenken und gleichzeitig ähnliche Initiativen in der Umgebung zu unterstützen. „Wir wollen den Klimaschutz in Linden voranbringen“, erläuterte Sandra Herrmann anlässlich der „Geburtstagsfeier“.

Linden soll fußgänger- und fahrradfreundlicher werden, man möchte eine Verkehrswende erreichen. Bürgerbeteiligung soll dabei groß geschrieben werden: „Andere Gemeinden machen vor, wie das gelingen kann“, unterstrich Herrmann. Im ersten Jahr ihres Bestehens habe die Klima-Initiative zahlreiche Projekte angegangen.

Seit April starten monatliche Fahrraddemos in Linden – die nächste setzt sich voraussichtlich am Samstag, 31. Oktober [editiert, da Falschangabe im Artikel], in Bewegung. Dazu gab es eine Fahrradpetition und ein offenen Brief zum Thema „Mit dem Rad zur Schule“. Protest- und Informations-Mails wurden an die Stadtverwaltung geschickt, unter anderem zur Einstellung eines Klimaschutzmanagers und zu möglichen Installationen von Radverkehrsanlagen, etwa von sogenannten „Pop-up-Radwegen“.

In den Blickpunkt rückten außerdem die Themen Flächenversieglung und Naturzerstörung, etwa im Zusammenhang mit der geplanten Bebauung der Sudetenstraße.

Lastenrad „Danni“ vielfach bewährt

Noch „ganz frisch“ ist die Anschaffung eines E-Lastenfahrrades: Dieses ist im evangelischen Gemeindehaus in der Junkergasse untergestellt und kann tageweise ausgeliehen werden (Informationen und Termine unter Tel. 01 57/87 72 64 11). Das Gefährt, das anlässlich der kleinen Jubiläumsfeier mit dem Namen „Danni“ (mit Verweis auf den Dannenröder Forst) bedacht wurde, wird bereits kräftig genutzt: Mittlerweile ist das Rad schon von Kassel bis zum Dannenröder Forst gefahren; sogar Wohnungsumzüge hat es schon mitgemacht.

Die Klima-Initiative möchte sich auch weiterhin Aufmerksamkeit verschaffen. „Bislang haben wir viel vorgeschlagen, aber es wurde politisch noch nichts umgesetzt“, bedauert Herrmann. Ein Klimaschutzkonzept für Linden soll forciert werden. Geplant werden zudem Demonstrationen für einen besseren Fahrradverkehr. Nach Möglichkeit will man die Stadt als Verleihstation für Lastenräder mit ins Boot holen.

Quelle: Giessener Allgemeine vom 19.10.2020 (https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/linden-ort848774/linden-soll-fussgaenger-fahrradfreundlicher-werden-13922377.html?fbclid=IwAR1XDASfMtt3-uhTffJwJq-TeZszQ9b6Kd-bmexE3OsY7c7TxdkAKoQdGeI)

Klimatag in Linden am 29.8.2020

Klimatag in Linden

Wie man auch in Zeiten von Corona-Einschränkungen eine bunte und lehrreiche Veranstaltung für die ganze Familie organisiert, zeigte am Samstag, den 29.8.2020 der Klimatag in Linden.

In der Moltkestraße in Großen-Linden fand ein von der Klimainitiative Linden veranstaltetes Straßenfest statt. Kraftfahrzeuge waren zu diesem Anlass von der Straße verbannt worden, um zu zeigen, wie viel Platz diese sonst den Menschen wegnehmen.

Die Verkehrswende ist ein wichtiger Baustein beim Klimaschutz. Die Klimainitiative Linden setzt sich für eine autofreie Mobilität ein. Hierfür ist es wichtig, dass Rad fahren sicher möglich ist. Verschiedene Gefahrenstellen für Radfahrende wurden benannt. Auch die Besucher*innen des Straßenfestes hatten auf Stadtplänen die Möglichkeit, Problemstellen zu benennen und ihre Wünsche für ein klimafreundliches Linden einzutragen. Aus Buseck und Gießen kam eine radelnde Gruppe zur Unterstützung und brachte der Klimainitiative ihr neues Lastenrad „Danni“ mit, das zukünftig auf Spendenbasis ausgeliehen werden kann.

Entlang der Moltkestraße waren viele Stationen und Infostände zum Thema Klima aufgebaut, Kinder konnten die ganze Breite der Straße auf dem Bobbycarparcours, mit Kreidemalereien und Seifenblasen in Beschlag nehmen. Schnupperfilzen und das Basteln von Samenbomben war ebenfalls im Angebot. Sogar für eine Turnvorführung war genügend Platz auf der Fahrbahn.

Initiatorin Sandra Herrmann zog in ihrer Rede unter dem Motto „Ich und Du – Gemeinsam Schöpfung bewahren“ die Verbindung zwischen der Corona-Pandemie und den notwendigen Klimaschutz-Maßnahmen. So wie das Tragen von Mund-Nase-Masken nur gegen die Ausbreitung des Virus hilft, wenn möglichst alle mitmachen und mit der Maske nicht sich selbst, sondern die Menschen in ihrer Umgebung schützen, so kann auch Klimaschutz nur dann wirken, wenn wir verstehen, dass die Klimasysteme der Erde miteinander verknüpft sind und Maßnahmen im eigenen Land genauso wichtig sind wie im Rest der Welt. Und dass die Entscheidung, hier in Deutschland Tropenholz oder Produkte mit Palmöl zu kaufen oder auch Fleisch zu essen mit dazu beitragen kann, dass auf der anderen Seite der Erde Regenwald vernichtet wird.

Klimaforschende gehen davon aus, dass bei einer Vernichtung von nur 23% des ursprünglich vorhandenen Amazonas-Regenwalds ein Kipppunkt erreicht wird, bei dem der Wasserkreislauf

nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, was zu einer Versteppung des gesamten Gebietes führen würde. Dies hätte unvorhersehbare Folgen für das gesamte Weltklima. Derzeit sind bereits ca. 17% des Amazonas-Regenwalds abgeholzt oder brandgerodet, dennoch wurde gerade in diesem Jahr, als alle Welt sich nur noch für Corona-Nachrichten interessierte, die Abholzung nochmals verstärkt.

3 Kilometer von der Moltkestraße entfernt und durch einen Bürgerbus-Shuttleservice verbunden bzw. mit dem Rad schnell zu erreichen lag die zweite Station des Lindener Klimatags. Auf dem Gelände der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation im Leihgesterner Steinweg fand ein Tag der offenen Tür statt.

Über einen Rundweg konnte das gesamte Gelände erkundet werden, und Expert*innen erklärten an den einzelnen Stationen die dort laufenden Versuche und Beobachtungen und beantworteten zahlreiche Fragen.

Gleich am Eingang markiert ein „schwebender“ Würfel einen Kubikmeter Luft, deren Hauptbestandteile Stickstoff und Sauerstoff sind. Der Anteil der klimaschädlichen Gase Kohlendioxid, Methan und Lachgas ist verschwindend gering, wie winzige Würfel im Vergleich hierzu veranschaulichten. Dennoch hat eine relativ geringe Veränderung der Luftzusammensetzung erhebliche Auswirkungen auf das Weltklima und auch das Klima in Hessen.

Lastenrad "Danni" - ab sofort ausleihbar!
Lastenrad „Danni“ – ab sofort ausleihbar!

Seit 1993 forschen das Institut für Pflanzenökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie das hessiche Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf dem Gelände.

Durch Langzeitversuche wird u. a. der Einfluss eines höheren Kohlendioxidgehalts der Luft sowie einer höheren Temperatur auf das Pflanzenwachstum erforscht. So kann hier sozusagen das voraussichtliche Klima in 20 Jahren simuliert werden.

Im Phänologischen Garten befasst sich die Forschung mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Entwicklungsphasen im Jahresverlauf der vorhandenen Bäume und Sträucher. Eine Verschiebung der Jahreszeiten mit einer Verkürzung des Winters und einem früheren Frühling ist bereits zu erkennen.

In anderen Versuche geht es um die Messung des unterirdischen Pflanzenwachstums im Boden, um unterschiedlicher Bewirtschaftung der Versuchsflächen sowie Atmosphäremessungen.

Im Praktikumsraum waren Filmvorführungen zu sehen.

Zukünftig wird auf dem Gelände auch das Lindener Naturschutzprojekt LINA sowie eine Sternwarte des Fachbereichs Physik der JLU zu finden sein, beide Projekte informierten über den Planungsstand.

Informationsmaterial zu allen Stationen und weitere Informationen zu der Gefahren des ungebremsten menschengemachten Klimawandels gab es am Stand der Scientists for Future.

Wie auch in der Moltkestraße mussten alle Teilnehmenden eine Mund-Nase-Bedeckung tragen und die Hände desinfizieren. An dieser Station musste zusätzlich noch ein Kontaktformular ausgefüllt und in eine Box eingeworfen werden. Allerdings dürfte die Ansteckungsgefahr an diesem Tag unter freiem Himmel äußerst gering gewesen sein, so dass der Inhalt der Box wohl in einigen Wochen ungelesen vernichtet werden kann.

Die zahlreichen Besucher*innen des Klimatags konnten sich an beiden Orten nicht nur über den aktuellen Stand der Klimaforschung, sondern auch über konkrete Möglichkeiten, klima- und umweltschädliches Verhalten im eigenen Umfeld zu erkennen und zu vermeiden, ohne auf Lebensqualität verzichten zu müssen. Anregungen gab es an diesem Tag in Hülle und Fülle.

Quelle: Gießener Zeitung vom 30.08.2020

Viele Fragen zum Klima

Wie ändert sich unser Klima? Warum? Und was kann man dagegen tun? Antworten auf solche Fragen gab es am Samstag in Linden. In Leihgestern konnte man sich in der Klimafolgenforschungs- anlage der JLU informieren. In Großen-Linden rief die Klima- initiative unter anderem zu einer Fahrraddemo auf.

Gibt es Fragen, die man schon immer an Klimaforscher richten wollte? Wenn ja, konnte man das am Samstag in der Klimafolgenforschungsanlage in Leihgestern tun. Diese öffnete ihre Pforten für einen „Tag der offenen Tür“, um über ihre Arbeit und die verschiedenen Forschungsprojekte zu informieren.

Mit rund 20 Jahren Betriebsdauer gehört die Forschungsanlage in Leihgestern, die von der Justus-Liebig-Universität Gießen betrieben wird, zu den am längsten laufenden Anlagen ihrer Art weltweit.Hier dreht sich rund um Treibhausgase, den Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen. Eine Frage war dabei schon fast obligatorisch: Welche Auswirkungen hatte der „Shutdown“ im Frühjahr auf das Klima und den CO2-Wert in der Atmosphäre? Doch die Antwort darauf war ernüchternd: „Das können wir jetzt noch nicht sagen.“ Denn so schnell geht das in der Forschung nun einmal nicht: CO2 ist ein sehr langlebiges Gas in der Atmosphäre und wird über weiter Strecken getragen. Ob die Maßnahmen eine Auswirkungen auf die Atmosphäre hatten, wird man frühestens im nächsten Jahr wissen, vielleicht auch erst 2022.

Wirkt sich der Shutdown aus?

Was man aber jetzt schon sagen kann ist, dass der Shutdown große Einflüsse auf den Verkehr hatte. Der motorisierte Verkehrs ging um 60 Prozent zurück, der Flugverkehr um 95 Prozent. Ob sich aber die verminderten CO2-Emissionen auch langfristig auswirken, ist noch nicht bekannt.

Nur knapp einen Kilometer von der Forschungsanlage entfernt ging es ebenfalls ums Klima. Die Teilnehmer am Klimatag der Klimainitiative Linden näherten sich dem Thema allerdings auf andere Art. Die Moltkestraße in Großen-Linden – immerhin die Hauptverkehrsader durch den Ort – war am Samstagmittag für den motorisierten Verkehr gesperrt. Hier hieß es: Fahrräder vor. Mit dieser Aktion wollte die Klimainitiative Linden auf sich aufmerksam machen und ihre Ziele weiter voranbringen. Auf dem Programm standen Radfahrdemos, Informationen zu aktuellen Themen wie die „Grüne Sudetenstraße“ und ein Polittalk mit Vertretern der Fraktionen im Stadtparlament.

Die CDU nahm allerdings nicht teil. „Man lehne die Aktion nicht ab, sie komme aber zum falschen Zeitpunkt“, argumentierte Norbert Arnold, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, im Vorfeld. „Während Marienmarkt, Stadtfest und leider auch der Nikolausmarkt abgesagt werden, müsse die Moltkestraße als Hauptdurchgangsstraße zehn Stunden lang für die Kundgebung und das Straßenfest gesperrt werden.“ „Die Veranstaltung findet in Zeiten von Corona und auch aus Klimagründen zur falschen Zeit und am falschen Ort statt. “ Die gestellten Fragen beantwortete die Fraktion trotzdem, allerdings in digitaler Form.

Quelle: Giessener Allgemeine vom 30.08.2020 (https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/viele-fragen-klima-13870276.html?fbclid=IwAR2IqDCBzLEBU0Gce2AVP_5a5H0fhT2pGuQwhBe0haAc6JDBXSZ9xARo7RU)

Polittalk und Bobbycar-Rennen

Linden(pm). Die Klimainitiative Linden und die Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation laden gemeinsam zu einem Klimatag am kommenden Samstag, 29. August, ein. Daran beteiligen sich zahlreiche weitere Initiativen und Vereine.

Der Klimatag ist zweigeteilt. Das Straßenfest in der Moltkestraße mit Musik, Polittalk und Mitmachaktionen beginnt um 12 und endet gegen 15 Uhr, die Forschungsstation öffnet von 11 bis 16 Uhr und bietet unter anderem Führungen an.

In der Moltkestraße in Großen-Linden sind Besucher eingeladen, die Straße für drei Stunden als Lebensraum für sich zu erobern. Dafür dürfen eigene Spielgeräte mitgebracht werden oder die Kinder nehmen an den organisierten Aktionen teil, wie etwa Straßenkreidemalen, Bobbycar-Rennen oder Schnupperfilzen. Auch für die Erwachsenen wird es Mitmachangebote geben. So lädt die Klimainitiative ein, sich an der Gestaltung eines Fahrradwegenetzes für Linden zu beteiligen. Hierfür sollen auf einer Fahrradkarte potenziell mögliche Radfahrwege durch Linden eingetragen werden, die eine sichere und schnelle Verbindung zwischen den umliegenden Ortschaften fördern könnten. Darüber hinaus wird an diesem Tag eine Samentauschbörse angeboten. Hierfür sollten Interessierte samenfestes Saatgut zum Tauschen mitbringen.

Als zentraler Programmpunkt ist um 13 Uhr der Lindener Polittalk geplant. Im Rahmen einer moderierten Fragerunde wird den Lindener Parteien Gelegenheit geboten, ihre Position zu aktuellen klima- und umweltpolitischen Herausforderungen in der Kommune zu beziehen.

Die Parteien können sich darüber hinaus mit einem Informations- und Kommunikationsstand im Rahmen des Straßenfestes präsentieren und sich so mit den Besuchern austauschen.

Klimaquiz für Kids

Weitere Gruppen, die sich mit klimafreundlichen Aktionen beteiligen, sind unter anderem der ADFC Gießen mit einer Fahrrad-Codier-Aktion, der Naturschutzbund Linden, die Bürgerinitiative Sudetenstraße, die Verkehrswende Gießen, das Gießener Klimabündnis „2035NULL“, „Parents for Future“ Gießen sowie die evangelische Kirchengemeinde Großen-Linden mit der Aktion „50 Bäume für Linden“.

Musikalisch begleitet wird das Straßenfest von Rolf Weinreich, Mitglied der Musikgruppe „Manu Michaeli Band“. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Das kulinarische Angebot umfasst klimafreundliche Speisen und regional bekannte Spezialitäten.

Ebenso wird es auf der Versuchsstation des Instituts für Pflanzenökologie am Steinweg in Leihgestern viel zu sehen geben. Dabei kommen auch die Kinder auf ihre Kosten, die bei einem Klimaquiz ihr Wissen in Sachen Klimawandel beweisen und Preise gewinnen können. Neben Führungen in kleinen Gruppen werden auch Informationen zum Klimawandel und deren Folgen präsentiert. Vor diesem Hintergrund steht der Tag der offenen Tür unter dem Motto „Klimawandel vor unserer Haustür“.

Ergebnisse der nun mehr als 20-jährigen Untersuchungen werden von den Wissenschaftlern des Instituts präsentiert. Neben den Mitarbeitern des Instituts für Pflanzenökologie werden auch Vertreter vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) vor Ort sein und über ihre Arbeit in Hessen berichten. Zudem sind Vertreter von „Scientists for Future“ und „Fridays for Future“ dabei und werden über ihre Aktivitäten berichten.

Das Lindener Naturschutzprojekt (LINA) will den Naturschutz vor allem Kindern und Jugendlichen näherbringen. Die LINA-Pferde sollen die Biodiversität auf Dauergrünlandflächen erhöhen und somit einen Part für den Naturschutz spielen. An Pflanzenbeispielen wird gezeigt, was Pferde lieber nicht fressen sollten und welche Pflanzen sie besonders lieben. LINA wird neben einem Liebig-Garten auch Landwirtschaft im Laufe der Zeit bis hin zu aktuellen Aktivitäten im ökologischen Landbau dokumentieren.

Es besteht die Möglichkeit, mit Radgruppen oder mit dem Bürgerbus zwischen den Veranstaltungen zu pendeln. Der Bus wird halbstündlich die Aktionsorte anfahren.

Besucher werden gebeten, ihre eigenen Masken mitzubringen und die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Weitere Hinweise gibt es vor Ort

Quelle: Giessener Allgemeine vom 24.08.2020 / https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/linden-ort848774/polittalk-bobbycar-rennen-13867944.html

Klimafolgenforschungsstation in Linden präsentiert sich der Öffentlichkeit

Tag der offenen Tür am 29. August 2020 – Kooperartion mit Klimainitiative Linden

Im Rahmen des Klimatags in Linden öffnet am 29. August 2020 auch die Klimafolgenforschungsstation der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Linden-Leihgestern ihre Türen. Zum Thema „Klimawandel vor unserer Haustür“ wird es zwischen 11 und 16 Uhr Führungen in kleinen Gruppen und aktuelle Information zum Klimawandel und seinen Folgen geben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenökologie der JLU werden am Klimatag anschaulich die Ergebnisse der nun mehr als 20-jährigen Untersuchungen präsentieren. Zudem wird das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) über Forschungen zum Klimawandel in Hessen berichten.
Die jungen Gäste können im Rahmen der Veranstaltung ihr Wissen bei einem Klimaquiz beweisen und attraktive Preise gewinnen. Auch die „Scientists for Future“ (S4F) werden vor Ort sein, über aktuelle Aktivitäten berichten und für Fragen zur Verfügung stehen. Zeitgleich veranstaltet die Klimainitiative Linden in der Moltkestraße in Großen-Linden ein Straßenfest mit einem bunten Programm – unter anderem sind Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich an der Gestaltung eines Fahrradwegenetzes für Linden zu beteiligen. Zwischen den beiden Veranstaltungsorten liegen eine kleine Radtour oder ein gemütlicher Spaziergang.
Der Tag der Offenen Tür findet komplett unter freiem Himmel statt. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, ihre eigenen Masken mitzubringen, diese während des Programms zu tragen und die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Weitere Hinweise gibt es vor Ort.
Termin
Tag der Offenen Tür: Samstag, 29. August 2020, 11 bis 16 Uhr, Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern
Kontakt
Prof. Christoph Müller
Institut für Pflanzenökologie der JLU
Telefon: 0641 99-35300,
E-Mail: pflanzenoekologie@bio.uni-giessen.de

Lindener demonstrieren für bessere Radwege

von Konstantin Hoppe

Linden(con). Sie fordern unter anderem einen Ausbau der innerörtlichen Radwege in Linden, das Ausarbeiten eines Klimakonzepts und ein flächendeckendes Tempolimit – Tempo 30 – in ganz Linden. Dafür stiegen am Samstag rund 40 Teilnehmer aufs Rad, um zu demonstrieren.

Zur rollenden Demonstration eingeladen hatte die Klima-Initiative Linden. Sie wurde unterstützt von weiteren Vereinen.

Die Klimaschutzinitiative hatte eine Rundfahrt zu aus ihrer Sicht neuralgischen Punkten vorgesehen. Unter anderem wurden der Kreisel an der Großen-Lindener/Kurt-Schumacher-Straße, aber auch das fehlende Stück des Radwegs zwischen Gießen und Leihgestern in Forst angesteuert. Rund zwei Stunden waren die Demonstranten unterwegs. Begleitet und abgesichert wurde der Demonstrationszug durch die Polizei.

Quelle: Gießener Allgemeine vom 19.07.2020 (https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/linden-ort848774/lindener-demonstrieren-bessere-radwege-13837501.html)

Fahrraddemo für sichere Radwege und Klimaschutz in Linden am 18.7.2020

von Elke Jandrasits am 18.07.2020

Unter dem Motto „Bewegung statt Stillstand“ setzten sich bei einer Fahrraddemo durch Großen-Linden, Leihgestern und Forst rund 35 Menschen aller Altersgruppen für sichere Radwege und mehr Klimaschutz in der Stadt Linden ein.

Eingeladen hatte die Klimainitiative Linden, unterstützt wurde die Aktion vom NABU Linden, Verkehrswendeinitiativen und Klimaschutzgruppen.

Vom Parkplatz des Rewe-Markts führte die Route Richtung Leihgestern. An verschiedenen Gefahrstellen wurde aufgezeigt, dass in der Stadt Linden noch viel zu tun ist, um Radfahrenden, insbesondere Schulkindern, eine sichere Fortbewegung zu ermöglichen. Denn noch enden z. B. Fahrradwege vor Kreuzungen oder sind vom Autoverkehr nicht klar abgegrenzt. Außerdem wird parkenden Kraftfahrzeugen zu viel Platz zur Verfügung gestellt, der den Menschen als Ort für Begegnungen fehlt.

Auf dem Parkplatz der Wiesengrundschule wurde dies besonders deutlich. Nur eine enge Zufahrt muss von allen VerkehrsteilnehmerInnen genutzt werden. Die eigentlich vorgesehenen Baumpflanzungen wurden noch nicht umgesetzt. Außerdem wurde beklagt, dass die Stadt Linden Fördermittel für Klimaschutzmaßnahmen nicht beantrage.

Am Einkaufscenter in Forst ist ebenfalls alles auf den KFZ-Verkehr zugeschnitten, so dass selbst kürzeste Wege mit dem Auto zurückgelegt werden.

Über die Jägerschneise ging es zurück nach Großen-Linden. In der Sudetenstraße ist es nicht nur gefährlich für Radfahrende, auch ein Grüngürtel steht durch ein geplantes Bauprojekt auf der Kippe (nähere Informationen auf der Homepage der Klimainitiative).

An der Ecke Bahnhofstraße/Moltkestraße wurde aufgezeigt, wie groß der Platzbedarf für sicheres Radfahren ist. Radfahrende sind von beiden Seiten durch sich plötzlich öffnende Türen parkender Autos und überholende Kraftfahrzeuge gleichermaßen gefährdet.

Die Raddemo endete am Ausgangspunkt. Passanten und Teilnehmende hatten die Möglichkeit, sich mit ihrer Unterschrift für ein fahrrad- und fußgängerfreundliches Linden einzusetzen. Denn nur so werden Anreize gesetzt, das Auto stehen zu lassen und eine klimafreundliche Fortbegungsart zu wählen.

Der Dank der Teilnehmenden ging an die unterstützende und absichernde Polizei und an die auf die kurzen Sperrungen entspannt reagierenden Autofahrenden.

Nächste Termine:

29.08.2020
Verkehrswendefest Moltkestraße Linden

18.09.2020
Parkingday – Parkflächen in Linden für den Menschen zurückerobern

26.09.2020
Tag der Regionen Gießen, Berliner Platz

Start mit Unterschriftensammlung
Kreisverkehr einmal nur…
… für Fahrräder
Großen-Lindener Straße/Breiter Weg in Leihgestern
Parkplatz der Wiesengrundschule
zu viel Platz für Autos
Gefahrenpunkt Am Mühlberg
Gießener Straße/Waldstraße/Tannenweg
Die-In
Auch beim Einkaufen wird es nur den Autofahrenden bequem gemacht
auf der Jägerschneise zurück nach Großen-Linden
Bahnunterführung zur Sudetenstraße
Sudetenstraße, im Hintergrund der gefährdete Grüngürtel
Einmündung Bahnhofstraße

Quelle: Giessener Zeitung vom 18.07.2020 (http://www.giessener-zeitung.de/buseck/beitrag/134316)

Gießener Klima-Aktivisten „werden nicht lockerlassen“

Die Initiatoren der zahlreichen Aktionen zu Klima und Verkehrswende an den vergangenen drei Tagen in Gießen ziehen ein positives Fazit der Veranstaltung des Bündnisses „Gießen 2035Null“. Von Rüdiger Schäfer

Nicht mehr als eine Fahrspur stand den Autos am Ludwigsplatz zur Verfügung. Die einzige Ausnahme wurde für einen Rettungswagen gemacht.  Foto: Schäfer
Nicht mehr als eine Fahrspur stand den Autos am Ludwigsplatz zur Verfügung. Die einzige Ausnahme wurde für einen Rettungswagen gemacht. Foto: Schäfer

GIESSEN Steter Tropfen höhlt den Stein. Umgemünzt auf die Aktionstage zu Verkehrswende und Klima von Freitag bis Sonntag bedeutet dies nach Ansicht der Initiatoren: „Dieses Ziel lässt sich nur durch permanenten, nicht nachlassenden Druck auf die politisch Verantwortlichen erreichen.“ Deren Vertreter wurden am Samstag auf den Prüfstein gestellt. Fast der gesamte Bereich vom Berliner Platz bis zur Licher Gabel war für die Aktion von Autos freigeschaufelt worden. An die zehn Autofahrer hatten anscheinend das absolute Halteverbot im Bereich des Hotels am Ludwigsplatz übersehen oder ignoriert. Ihre Mobilitätsvehikel wurden infolgedessen von Abschleppwagen wegtransportiert. Nur stadteinwärts blieb den Stahlrossen eine Spur; zudem die Parkreihe auf dem daneben liegenden Bürgersteig. Ein Vertreter der Versammlungsbehörde bestätigte dieser Zeitung, dass durch die Sperrung dieses Areals kein wesentlicher Stau auf der einzigen Stadteinwärts-Spur entstanden sei. Stadtauswärts wurde der Verkehr über die Ostanlage umgeleitet.

Politiker „im Verhör“

Zahlreiche Verkehrsinitiativen und Umweltaktivisten hatten in dem Straßenabschnitt ihre Informationsstände aufgebaut. Auf der Bühne vor dem Hotel spielten mehrere Bands und bezogen drei Vertreter der Parteien Grüne, SPD und Linke – die anderen Fraktionen im Stadtparlament hatten niemanden entsandt – Stellung zu vier speziellen Fragen von verschiedenen Gruppen der Lokalen Agenda 21.

Eine Fahrraddemo-Sternfahrt, gestartet in Wetzlar, Linden, aus dem Lumdatal und in Großen-Buseck mit insgesamt mehr als 200 Teilnehmern hatte um die Mittagszeit am Ludwigsplatz ihr Ziel erreicht. Nach dem ersten Part der Veranstaltung – dem „Verhör“ der drei Fraktionsvertreter des Stadtparlaments – startete eine Fahrraddemo rund um den Anlagenring, bei der an die 300 Zweiräder gezählt wurden. Den Abschluss bildete ein Kurzvortrag von Walter Bien zu einer Wiedereinführung einer Straßenbahn in Gießen; und das nicht nur in der Grünberger Straße.

Wo kein Auto fuhr, wurde die Straße zum "Wohnzimmer". Foto: Schäfer
Wo kein Auto fuhr, wurde die Straße zum „Wohnzimmer“. Foto: Schäfer
Am Anlagenring hatten am Samstag die Radler das Sagen.  Foto: Schäfer
Am Anlagenring hatten am Samstag die Radler das Sagen. Foto: Schäfer
Bei Fredrik Vahles Konzert am Sonntag war der Kirchenplatz gut gefüllt.  Foto: Schäfer
Bei Fredrik Vahles Konzert am Sonntag war der Kirchenplatz gut gefüllt. Foto: Schäfer

Nahezu überfüllt mit Eltern und ihren Kindern präsentierte sich dann am Sonntag der Kirchenplatz. Kinderkleider-Tauschbörse, Bobbycar-Parcours, bunte Stände und Aktionen, eine Mahnwache, jede Menge Infos und ein Kinderlieder-Konzert mit Fredrik Vahle waren hier angesagt.

Der Wettergott war den Klimaaktionstagen am Wochenende hold. Kein Tropfen Regen und angenehme Temperaturen begleiteten die Veranstaltungen am Freitag mit der Protestfahrt der FFF-Bewegung (Fridays For Future), den Verkehrswende-Aktionstag am Samstag sowie die sonntäglichen Aktionen unter dem Motto „Prima Klima für Alle!“ auf dem Kirchenplatz. Hinter den Aktionstagen stehen verschiedene, im Klimabündnis „Gießen 2035Null“ vereinte Gruppen. Viel Arbeit im organisatorischen Sinne war geleistet worden; insbesondere bezüglich der Aktionsfläche vom Ludwigsplatz bis zur Einmündung der Gutenbergstraße in die Grünberger Straße. Ob der Aufwand gelohnt hat? „Im Angesicht der Corona-Bedrohung können wir mit dem Zuspruch ganz zufrieden sein. Wichtig ist, dass die Debatte in Gang gehalten wird“, meinte Politaktivist Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt Saasen, einer der Initiatoren. Und auch Lutz Hiestermann vom Bündnis „Gießen 2035Null“ zeigte sich angetan: „Hier sind viele Leute dabei. Und die werden nicht lockerlassen, um unsere Ziele zu erreichen.“ Gemeint sind damit die Klimaziele, manifestiert im vor neun Monaten mit großer Mehrheit beschlossenen Bürgerantrag, Gießen bis 2035 emissionsneutral werden zu lassen. Eingebunden darin ist eine städtische Verkehrswende, die unabdingbar für das Erreichen des Klimazieles sei. Dafür kämpfen die Gruppen des Bündnisses.

Das lautstarke „Tatütata“ eines Rettungswagens erschreckte am Samstagnachmittag die Teilnehmer der Veranstaltungen rund um den Ludwigsplatz. Damit die Retter nicht in der einspurigen Autokolonne stecken blieben, waren flugs viele eifrige Hände spontan zugange, um für ein schnelles Durchkommen über das Aktionsgelände Platz zu schaffen. Laut Gerd Drebes vom städtischen Ordnungsamt lag dem eine organisatorische Panne zugrunde. Denn eigentlich hätte bekannt sein sollen, dass Notfallfahrzeuge nicht den Weg über diesen Straßenbereich während der Teilsperrung nehmen sollten.

Auf der Bühne las Bergstedt beim „Polittalk“ den erschienenen drei Fraktionsvertretern die Forderungen des Klimabündnisses vor. Zur durchgehenden Verringerung der Fahrspuren innerstädtisch auf nur noch eine einzige verlautete Alexander Wrigth von den Grünen „ein eindeutiges Ja“. Als „problematisch“ sieht er, wenn man als Radler in der Einbahnstraße „den Autos entgegenfahren muss“. SPD-Mann Christoph Nübel verwies auf einen 100 000 Euro schweren Haushaltsantrag seiner Partei für einen Verkehrsversuch auf dem Anlagenring, der „an einer Fraktion der Koalition gescheitert“ sei. Auch von ihm gab es ein eindeutiges „Ja“ für nur noch eine einzige Fahrspur in ganz Gießen. Und: „Beim Anlagenring sollte Tempo gemacht werden“, so seine Aufforderung. Stefan Häbich von der Gießener Linke schloss sich dem an: „Die Fahrer, die Gießens Innenstadt nur zum Durchfahren benutzen, sollen gefälligst über den Gießener Ring fahren.“

„Verschleppung“

Weitere Fragen betrafen die Unterstützung von regionalen Waren, eine Begrenzung der städtischen Einwohneranzahl sowie die Installation von Fotovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden. Hier wird der Stadt von verschiedener Seite ein stark bremsendes Verhalten vorgeworfen. Hiestermann ging bezüglich der „Verschleppung“ des Zwischenberichts zum Stande der Bemühungen um die städtische Klimaneutralität in 2035 mit SPD und Grünen ins Gericht. Nübel sprach von „Irritationen“, man halte sich an den Beschluss, mache „schon einiges“ und die Agentur sei „bereits beauftragt“ – und ja, die bisher ausgebliebene Bürgerbeteiligung sei „Corona geschuldet“.

Am Sonntag hieß das Motto „Prima Klima für Alle!“, zum Erhalt der Schöpfung für unsere Kinder und Enkelkinder. Bereits beim Gottesdienst zu Beginn hatten Stadtkirchenpfarrer Klaus Weißgerber sowie Dr. Satu Heiland für die „Parents For Future“ die Schöpfung in den Mittelpunkt ihrer Reden gestellt. Frederik Vahle bot zudem seine CDs gegen Spenden an, um den Erlös der Gießener Klimaschutzbewegung zukommen zu lassen.

Quelle: Gießener Anzeiger vom 21.06.2020 / https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/giessener-klima-aktivisten-werden-nicht-lockerlassen_21841128