Polittalk und Bobbycar-Rennen

Linden(pm). Die Klimainitiative Linden und die Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation laden gemeinsam zu einem Klimatag am kommenden Samstag, 29. August, ein. Daran beteiligen sich zahlreiche weitere Initiativen und Vereine.

Der Klimatag ist zweigeteilt. Das Straßenfest in der Moltkestraße mit Musik, Polittalk und Mitmachaktionen beginnt um 12 und endet gegen 15 Uhr, die Forschungsstation öffnet von 11 bis 16 Uhr und bietet unter anderem Führungen an.

In der Moltkestraße in Großen-Linden sind Besucher eingeladen, die Straße für drei Stunden als Lebensraum für sich zu erobern. Dafür dürfen eigene Spielgeräte mitgebracht werden oder die Kinder nehmen an den organisierten Aktionen teil, wie etwa Straßenkreidemalen, Bobbycar-Rennen oder Schnupperfilzen. Auch für die Erwachsenen wird es Mitmachangebote geben. So lädt die Klimainitiative ein, sich an der Gestaltung eines Fahrradwegenetzes für Linden zu beteiligen. Hierfür sollen auf einer Fahrradkarte potenziell mögliche Radfahrwege durch Linden eingetragen werden, die eine sichere und schnelle Verbindung zwischen den umliegenden Ortschaften fördern könnten. Darüber hinaus wird an diesem Tag eine Samentauschbörse angeboten. Hierfür sollten Interessierte samenfestes Saatgut zum Tauschen mitbringen.

Als zentraler Programmpunkt ist um 13 Uhr der Lindener Polittalk geplant. Im Rahmen einer moderierten Fragerunde wird den Lindener Parteien Gelegenheit geboten, ihre Position zu aktuellen klima- und umweltpolitischen Herausforderungen in der Kommune zu beziehen.

Die Parteien können sich darüber hinaus mit einem Informations- und Kommunikationsstand im Rahmen des Straßenfestes präsentieren und sich so mit den Besuchern austauschen.

Klimaquiz für Kids

Weitere Gruppen, die sich mit klimafreundlichen Aktionen beteiligen, sind unter anderem der ADFC Gießen mit einer Fahrrad-Codier-Aktion, der Naturschutzbund Linden, die Bürgerinitiative Sudetenstraße, die Verkehrswende Gießen, das Gießener Klimabündnis „2035NULL“, „Parents for Future“ Gießen sowie die evangelische Kirchengemeinde Großen-Linden mit der Aktion „50 Bäume für Linden“.

Musikalisch begleitet wird das Straßenfest von Rolf Weinreich, Mitglied der Musikgruppe „Manu Michaeli Band“. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Das kulinarische Angebot umfasst klimafreundliche Speisen und regional bekannte Spezialitäten.

Ebenso wird es auf der Versuchsstation des Instituts für Pflanzenökologie am Steinweg in Leihgestern viel zu sehen geben. Dabei kommen auch die Kinder auf ihre Kosten, die bei einem Klimaquiz ihr Wissen in Sachen Klimawandel beweisen und Preise gewinnen können. Neben Führungen in kleinen Gruppen werden auch Informationen zum Klimawandel und deren Folgen präsentiert. Vor diesem Hintergrund steht der Tag der offenen Tür unter dem Motto „Klimawandel vor unserer Haustür“.

Ergebnisse der nun mehr als 20-jährigen Untersuchungen werden von den Wissenschaftlern des Instituts präsentiert. Neben den Mitarbeitern des Instituts für Pflanzenökologie werden auch Vertreter vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) vor Ort sein und über ihre Arbeit in Hessen berichten. Zudem sind Vertreter von „Scientists for Future“ und „Fridays for Future“ dabei und werden über ihre Aktivitäten berichten.

Das Lindener Naturschutzprojekt (LINA) will den Naturschutz vor allem Kindern und Jugendlichen näherbringen. Die LINA-Pferde sollen die Biodiversität auf Dauergrünlandflächen erhöhen und somit einen Part für den Naturschutz spielen. An Pflanzenbeispielen wird gezeigt, was Pferde lieber nicht fressen sollten und welche Pflanzen sie besonders lieben. LINA wird neben einem Liebig-Garten auch Landwirtschaft im Laufe der Zeit bis hin zu aktuellen Aktivitäten im ökologischen Landbau dokumentieren.

Es besteht die Möglichkeit, mit Radgruppen oder mit dem Bürgerbus zwischen den Veranstaltungen zu pendeln. Der Bus wird halbstündlich die Aktionsorte anfahren.

Besucher werden gebeten, ihre eigenen Masken mitzubringen und die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Weitere Hinweise gibt es vor Ort

Quelle: Giessener Allgemeine vom 24.08.2020 / https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/linden-ort848774/polittalk-bobbycar-rennen-13867944.html

Klimatag in Linden – 29. August 2020

Am 29.08.2020 feiern wir gemeinsam mit euch ein Straßenfest, um auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam zu machen, innerstädtische Verkehrsalternativen vorzustellen und Perspektiven für die Zukunft zu erarbeiten.

So wollen wir mit euch eine Straßenkarte von Linden erstellen und dabei u.a. die verkehrskritischen Punkte markieren, auf fehlende Radwege aufmerksam machen und damit eine Karte erarbeiten, die als Grundlage für eine bürgernahe Planung dienen kann.
Zusätzlich wollen wir über das Thema „Sichtbarer Klimawandel in Linden“ sowie die noch immer nicht besetzte Position des Klimamanagers reden. Ein Polittalk sowie ein Busshuttle zur JLU Forschungsstelle, die sich an diesem Tag der Öffentlichkeit präsentiert, runden das Ganze ab.

Folgende Organisationen beleben die Moltkestraße für euch mit Infoständen, Verkauf und kulinarischen Angeboten:
ADFC (Fahrrad-Codier-Aktion)
Parents for Future (Infostand)
Nabu Ortsgruppe Linden (Infostand)
BI Sudetenstraße
2035NULL
Lindener Hof (Vegetarisch, Vegan)
Bäckerei Roj (Vegetarisch, Vegan)
Silano (Ausgabe im Hof der Eisdiele)
Frau Verhoeven (Aktion Kunsthandwerk)
parteienübergreifender Polittalk

Zusätzlich findet eine Fahrrad-Sternfahrt nach Linden zum Straßenfest statt.

Klimafolgenforschungsstation in Linden präsentiert sich der Öffentlichkeit

Tag der offenen Tür am 29. August 2020 – Kooperartion mit Klimainitiative Linden

Im Rahmen des Klimatags in Linden öffnet am 29. August 2020 auch die Klimafolgenforschungsstation der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Linden-Leihgestern ihre Türen. Zum Thema „Klimawandel vor unserer Haustür“ wird es zwischen 11 und 16 Uhr Führungen in kleinen Gruppen und aktuelle Information zum Klimawandel und seinen Folgen geben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenökologie der JLU werden am Klimatag anschaulich die Ergebnisse der nun mehr als 20-jährigen Untersuchungen präsentieren. Zudem wird das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) über Forschungen zum Klimawandel in Hessen berichten.
Die jungen Gäste können im Rahmen der Veranstaltung ihr Wissen bei einem Klimaquiz beweisen und attraktive Preise gewinnen. Auch die „Scientists for Future“ (S4F) werden vor Ort sein, über aktuelle Aktivitäten berichten und für Fragen zur Verfügung stehen. Zeitgleich veranstaltet die Klimainitiative Linden in der Moltkestraße in Großen-Linden ein Straßenfest mit einem bunten Programm – unter anderem sind Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich an der Gestaltung eines Fahrradwegenetzes für Linden zu beteiligen. Zwischen den beiden Veranstaltungsorten liegen eine kleine Radtour oder ein gemütlicher Spaziergang.
Der Tag der Offenen Tür findet komplett unter freiem Himmel statt. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, ihre eigenen Masken mitzubringen, diese während des Programms zu tragen und die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Weitere Hinweise gibt es vor Ort.
Termin
Tag der Offenen Tür: Samstag, 29. August 2020, 11 bis 16 Uhr, Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern
Kontakt
Prof. Christoph Müller
Institut für Pflanzenökologie der JLU
Telefon: 0641 99-35300,
E-Mail: pflanzenoekologie@bio.uni-giessen.de

Termine im September 2020

  • Samstag, 05.09.2020 11 – 16 Uhr – Verkehrswende-Aktionstag in Großen-Buseck
    Mit vielfältigen Aktionen wird für eine Verkehrswende und im Konkreten für den Radweg „R7“ als durchgehende Fahrradstraße, zusätzlich ein Netz von Fahrradstraßen in die Ortsteile, Wohngebiete, zu Schulen und Kindergärten sowie den Ausbau der Vogelsbergbahn mit Bus-Zubringerlinien eingetreten. Dazu werden ausgewählte Straßen von Autos befreit und ein Straßenfest aufgebaut. Mit kleinen Fahrraddemos durch den Ort wird für Fahrradstraßen, einen Kreisverkehr an der nahegelegenen Kreuzung und eine Verkehrswende insgesamt geworben. Im Schützenweg wird es Infostände, Spiele, Essen/Trinken geben und hoffentlich die schöne Atmosphäre, die entsteht, wenn die Autos raus sind. Beteiligt Euch mit Euren Ideen!
  • 09.09. Treffen der Klimainitiative Linden
    Themenschwerpunkt: Vereinsgründung
  • 11.09. bundesweite Großdemo in Wiesbaden für den Dannenröderwald
    Für den 18.9. wird das erste große Camp als Skillsharing-Camp angemeldet – direkt am Wald. Nähre Infos https://waldstattasphalt.blackblogs.org/
  • 12.09. – 19.09.2020 Müllsammelaktion
  • Sonntag, 13.09.2020 14:00-18:00 Uhr Gießen, Prototyp, Georg-Philipp-Gail-Str. 5 Vernetzungstreffen gegen die Tierindustrie (tierindustrie-mittelhessen@riseup.net)
  • Samstag, 18.09.: ParkingDay in Gießen z.B. auf dem Lindenplatz: Die Stadt temporär und an konkreten Orten von Stehzeugen befreien, die Parkplätze anders nutzen und für eine autofreie Zukunft eintreten.
  • Samstag, 19.09.2020 15 Uhr – Kidical Mass Rundfahrt im Stadtgebiet mit Start am Uni-Hauptgebäude (Ludwigstr. 23, Gießen) Familienfreundliche Fahrraddemo für bessere Fahrradverbindungen und eine Verkehrswende.
  • 21.09.-02.10.2020 Aktionswoche zu Fuß zur Schule und Kindergarten Nähere Infos: https://www.zu-fuss-zur-schule.de/
  • Freitag, 25.09.2020 – Friday for Future: Global Day of Climate Action
  • 26.09.2020 die Universitätsstadt Gießen veranstaltet Aktionstag „NACHHALTIGES GIESSEN – Einfach. Mitmachen.“ auf dem Berliner Platz, im und rund um das Rathaus. Nähere Infos: https://www.giessen.de/Erleben/Veranstaltungen

Termine im August 2020

  • Samstag, 29.8.2020 12:00-15:00 Uhr Fahrraddemo und Verkehrswende-Aktionstag
    in der Lindener Moltkestraße, die an diesem Tag autofrei ist – mit Infoständen, Aktionen, Spiel und Spaß.
  • Sonntag, 30.08.2020 13 Uhr – Besuch des Dannenröder Forsts zur Unterstützung der Waldbesetzer. Treffpunkt ist um 13 Uhr an der Mahnwache am Dannenröder Forst.

Lindener demonstrieren für bessere Radwege

von Konstantin Hoppe

Linden(con). Sie fordern unter anderem einen Ausbau der innerörtlichen Radwege in Linden, das Ausarbeiten eines Klimakonzepts und ein flächendeckendes Tempolimit – Tempo 30 – in ganz Linden. Dafür stiegen am Samstag rund 40 Teilnehmer aufs Rad, um zu demonstrieren.

Zur rollenden Demonstration eingeladen hatte die Klima-Initiative Linden. Sie wurde unterstützt von weiteren Vereinen.

Die Klimaschutzinitiative hatte eine Rundfahrt zu aus ihrer Sicht neuralgischen Punkten vorgesehen. Unter anderem wurden der Kreisel an der Großen-Lindener/Kurt-Schumacher-Straße, aber auch das fehlende Stück des Radwegs zwischen Gießen und Leihgestern in Forst angesteuert. Rund zwei Stunden waren die Demonstranten unterwegs. Begleitet und abgesichert wurde der Demonstrationszug durch die Polizei.

Quelle: Gießener Allgemeine vom 19.07.2020 (https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/linden-ort848774/lindener-demonstrieren-bessere-radwege-13837501.html)

Fahrraddemo für sichere Radwege und Klimaschutz in Linden am 18.7.2020

von Elke Jandrasits am 18.07.2020

Unter dem Motto „Bewegung statt Stillstand“ setzten sich bei einer Fahrraddemo durch Großen-Linden, Leihgestern und Forst rund 35 Menschen aller Altersgruppen für sichere Radwege und mehr Klimaschutz in der Stadt Linden ein.

Eingeladen hatte die Klimainitiative Linden, unterstützt wurde die Aktion vom NABU Linden, Verkehrswendeinitiativen und Klimaschutzgruppen.

Vom Parkplatz des Rewe-Markts führte die Route Richtung Leihgestern. An verschiedenen Gefahrstellen wurde aufgezeigt, dass in der Stadt Linden noch viel zu tun ist, um Radfahrenden, insbesondere Schulkindern, eine sichere Fortbewegung zu ermöglichen. Denn noch enden z. B. Fahrradwege vor Kreuzungen oder sind vom Autoverkehr nicht klar abgegrenzt. Außerdem wird parkenden Kraftfahrzeugen zu viel Platz zur Verfügung gestellt, der den Menschen als Ort für Begegnungen fehlt.

Auf dem Parkplatz der Wiesengrundschule wurde dies besonders deutlich. Nur eine enge Zufahrt muss von allen VerkehrsteilnehmerInnen genutzt werden. Die eigentlich vorgesehenen Baumpflanzungen wurden noch nicht umgesetzt. Außerdem wurde beklagt, dass die Stadt Linden Fördermittel für Klimaschutzmaßnahmen nicht beantrage.

Am Einkaufscenter in Forst ist ebenfalls alles auf den KFZ-Verkehr zugeschnitten, so dass selbst kürzeste Wege mit dem Auto zurückgelegt werden.

Über die Jägerschneise ging es zurück nach Großen-Linden. In der Sudetenstraße ist es nicht nur gefährlich für Radfahrende, auch ein Grüngürtel steht durch ein geplantes Bauprojekt auf der Kippe (nähere Informationen auf der Homepage der Klimainitiative).

An der Ecke Bahnhofstraße/Moltkestraße wurde aufgezeigt, wie groß der Platzbedarf für sicheres Radfahren ist. Radfahrende sind von beiden Seiten durch sich plötzlich öffnende Türen parkender Autos und überholende Kraftfahrzeuge gleichermaßen gefährdet.

Die Raddemo endete am Ausgangspunkt. Passanten und Teilnehmende hatten die Möglichkeit, sich mit ihrer Unterschrift für ein fahrrad- und fußgängerfreundliches Linden einzusetzen. Denn nur so werden Anreize gesetzt, das Auto stehen zu lassen und eine klimafreundliche Fortbegungsart zu wählen.

Der Dank der Teilnehmenden ging an die unterstützende und absichernde Polizei und an die auf die kurzen Sperrungen entspannt reagierenden Autofahrenden.

Nächste Termine:

29.08.2020
Verkehrswendefest Moltkestraße Linden

18.09.2020
Parkingday – Parkflächen in Linden für den Menschen zurückerobern

26.09.2020
Tag der Regionen Gießen, Berliner Platz

Start mit Unterschriftensammlung
Kreisverkehr einmal nur…
… für Fahrräder
Großen-Lindener Straße/Breiter Weg in Leihgestern
Parkplatz der Wiesengrundschule
zu viel Platz für Autos
Gefahrenpunkt Am Mühlberg
Gießener Straße/Waldstraße/Tannenweg
Die-In
Auch beim Einkaufen wird es nur den Autofahrenden bequem gemacht
auf der Jägerschneise zurück nach Großen-Linden
Bahnunterführung zur Sudetenstraße
Sudetenstraße, im Hintergrund der gefährdete Grüngürtel
Einmündung Bahnhofstraße

Quelle: Giessener Zeitung vom 18.07.2020 (http://www.giessener-zeitung.de/buseck/beitrag/134316)

Gießener Klima-Aktivisten „werden nicht lockerlassen“

Die Initiatoren der zahlreichen Aktionen zu Klima und Verkehrswende an den vergangenen drei Tagen in Gießen ziehen ein positives Fazit der Veranstaltung des Bündnisses „Gießen 2035Null“. Von Rüdiger Schäfer

Nicht mehr als eine Fahrspur stand den Autos am Ludwigsplatz zur Verfügung. Die einzige Ausnahme wurde für einen Rettungswagen gemacht.  Foto: Schäfer
Nicht mehr als eine Fahrspur stand den Autos am Ludwigsplatz zur Verfügung. Die einzige Ausnahme wurde für einen Rettungswagen gemacht. Foto: Schäfer

GIESSEN Steter Tropfen höhlt den Stein. Umgemünzt auf die Aktionstage zu Verkehrswende und Klima von Freitag bis Sonntag bedeutet dies nach Ansicht der Initiatoren: „Dieses Ziel lässt sich nur durch permanenten, nicht nachlassenden Druck auf die politisch Verantwortlichen erreichen.“ Deren Vertreter wurden am Samstag auf den Prüfstein gestellt. Fast der gesamte Bereich vom Berliner Platz bis zur Licher Gabel war für die Aktion von Autos freigeschaufelt worden. An die zehn Autofahrer hatten anscheinend das absolute Halteverbot im Bereich des Hotels am Ludwigsplatz übersehen oder ignoriert. Ihre Mobilitätsvehikel wurden infolgedessen von Abschleppwagen wegtransportiert. Nur stadteinwärts blieb den Stahlrossen eine Spur; zudem die Parkreihe auf dem daneben liegenden Bürgersteig. Ein Vertreter der Versammlungsbehörde bestätigte dieser Zeitung, dass durch die Sperrung dieses Areals kein wesentlicher Stau auf der einzigen Stadteinwärts-Spur entstanden sei. Stadtauswärts wurde der Verkehr über die Ostanlage umgeleitet.

Politiker „im Verhör“

Zahlreiche Verkehrsinitiativen und Umweltaktivisten hatten in dem Straßenabschnitt ihre Informationsstände aufgebaut. Auf der Bühne vor dem Hotel spielten mehrere Bands und bezogen drei Vertreter der Parteien Grüne, SPD und Linke – die anderen Fraktionen im Stadtparlament hatten niemanden entsandt – Stellung zu vier speziellen Fragen von verschiedenen Gruppen der Lokalen Agenda 21.

Eine Fahrraddemo-Sternfahrt, gestartet in Wetzlar, Linden, aus dem Lumdatal und in Großen-Buseck mit insgesamt mehr als 200 Teilnehmern hatte um die Mittagszeit am Ludwigsplatz ihr Ziel erreicht. Nach dem ersten Part der Veranstaltung – dem „Verhör“ der drei Fraktionsvertreter des Stadtparlaments – startete eine Fahrraddemo rund um den Anlagenring, bei der an die 300 Zweiräder gezählt wurden. Den Abschluss bildete ein Kurzvortrag von Walter Bien zu einer Wiedereinführung einer Straßenbahn in Gießen; und das nicht nur in der Grünberger Straße.

Wo kein Auto fuhr, wurde die Straße zum "Wohnzimmer". Foto: Schäfer
Wo kein Auto fuhr, wurde die Straße zum „Wohnzimmer“. Foto: Schäfer
Am Anlagenring hatten am Samstag die Radler das Sagen.  Foto: Schäfer
Am Anlagenring hatten am Samstag die Radler das Sagen. Foto: Schäfer
Bei Fredrik Vahles Konzert am Sonntag war der Kirchenplatz gut gefüllt.  Foto: Schäfer
Bei Fredrik Vahles Konzert am Sonntag war der Kirchenplatz gut gefüllt. Foto: Schäfer

Nahezu überfüllt mit Eltern und ihren Kindern präsentierte sich dann am Sonntag der Kirchenplatz. Kinderkleider-Tauschbörse, Bobbycar-Parcours, bunte Stände und Aktionen, eine Mahnwache, jede Menge Infos und ein Kinderlieder-Konzert mit Fredrik Vahle waren hier angesagt.

Der Wettergott war den Klimaaktionstagen am Wochenende hold. Kein Tropfen Regen und angenehme Temperaturen begleiteten die Veranstaltungen am Freitag mit der Protestfahrt der FFF-Bewegung (Fridays For Future), den Verkehrswende-Aktionstag am Samstag sowie die sonntäglichen Aktionen unter dem Motto „Prima Klima für Alle!“ auf dem Kirchenplatz. Hinter den Aktionstagen stehen verschiedene, im Klimabündnis „Gießen 2035Null“ vereinte Gruppen. Viel Arbeit im organisatorischen Sinne war geleistet worden; insbesondere bezüglich der Aktionsfläche vom Ludwigsplatz bis zur Einmündung der Gutenbergstraße in die Grünberger Straße. Ob der Aufwand gelohnt hat? „Im Angesicht der Corona-Bedrohung können wir mit dem Zuspruch ganz zufrieden sein. Wichtig ist, dass die Debatte in Gang gehalten wird“, meinte Politaktivist Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt Saasen, einer der Initiatoren. Und auch Lutz Hiestermann vom Bündnis „Gießen 2035Null“ zeigte sich angetan: „Hier sind viele Leute dabei. Und die werden nicht lockerlassen, um unsere Ziele zu erreichen.“ Gemeint sind damit die Klimaziele, manifestiert im vor neun Monaten mit großer Mehrheit beschlossenen Bürgerantrag, Gießen bis 2035 emissionsneutral werden zu lassen. Eingebunden darin ist eine städtische Verkehrswende, die unabdingbar für das Erreichen des Klimazieles sei. Dafür kämpfen die Gruppen des Bündnisses.

Das lautstarke „Tatütata“ eines Rettungswagens erschreckte am Samstagnachmittag die Teilnehmer der Veranstaltungen rund um den Ludwigsplatz. Damit die Retter nicht in der einspurigen Autokolonne stecken blieben, waren flugs viele eifrige Hände spontan zugange, um für ein schnelles Durchkommen über das Aktionsgelände Platz zu schaffen. Laut Gerd Drebes vom städtischen Ordnungsamt lag dem eine organisatorische Panne zugrunde. Denn eigentlich hätte bekannt sein sollen, dass Notfallfahrzeuge nicht den Weg über diesen Straßenbereich während der Teilsperrung nehmen sollten.

Auf der Bühne las Bergstedt beim „Polittalk“ den erschienenen drei Fraktionsvertretern die Forderungen des Klimabündnisses vor. Zur durchgehenden Verringerung der Fahrspuren innerstädtisch auf nur noch eine einzige verlautete Alexander Wrigth von den Grünen „ein eindeutiges Ja“. Als „problematisch“ sieht er, wenn man als Radler in der Einbahnstraße „den Autos entgegenfahren muss“. SPD-Mann Christoph Nübel verwies auf einen 100 000 Euro schweren Haushaltsantrag seiner Partei für einen Verkehrsversuch auf dem Anlagenring, der „an einer Fraktion der Koalition gescheitert“ sei. Auch von ihm gab es ein eindeutiges „Ja“ für nur noch eine einzige Fahrspur in ganz Gießen. Und: „Beim Anlagenring sollte Tempo gemacht werden“, so seine Aufforderung. Stefan Häbich von der Gießener Linke schloss sich dem an: „Die Fahrer, die Gießens Innenstadt nur zum Durchfahren benutzen, sollen gefälligst über den Gießener Ring fahren.“

„Verschleppung“

Weitere Fragen betrafen die Unterstützung von regionalen Waren, eine Begrenzung der städtischen Einwohneranzahl sowie die Installation von Fotovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden. Hier wird der Stadt von verschiedener Seite ein stark bremsendes Verhalten vorgeworfen. Hiestermann ging bezüglich der „Verschleppung“ des Zwischenberichts zum Stande der Bemühungen um die städtische Klimaneutralität in 2035 mit SPD und Grünen ins Gericht. Nübel sprach von „Irritationen“, man halte sich an den Beschluss, mache „schon einiges“ und die Agentur sei „bereits beauftragt“ – und ja, die bisher ausgebliebene Bürgerbeteiligung sei „Corona geschuldet“.

Am Sonntag hieß das Motto „Prima Klima für Alle!“, zum Erhalt der Schöpfung für unsere Kinder und Enkelkinder. Bereits beim Gottesdienst zu Beginn hatten Stadtkirchenpfarrer Klaus Weißgerber sowie Dr. Satu Heiland für die „Parents For Future“ die Schöpfung in den Mittelpunkt ihrer Reden gestellt. Frederik Vahle bot zudem seine CDs gegen Spenden an, um den Erlös der Gießener Klimaschutzbewegung zukommen zu lassen.

Quelle: Gießener Anzeiger vom 21.06.2020 / https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/giessener-klima-aktivisten-werden-nicht-lockerlassen_21841128

Unterschriftensammlung für ein fahrrad- und fußgängerfreundliches Linden

Wir fordern die Stadt Linden auf, die Förderung einer autofreien Mobilität und damit zusammenhängend die dafür notwendige Infrastruktur im Sinne eines lebenswerten Lindens voranzutreiben. Die Situation von unmotorisierten Verkehrsteilnehmer*innen jeden Alters sollte bei der Verkehrsplanung sehr viel stärker im Blick sein. Die Straßen gehören allen, nicht allein den Autofahrern. Wir brauchen und wollen ein fahrrad- und fußgängerfreundliches Linden!

Wer uns hierbei unterstützen möchte, kann sich die dazugehörige Unterschriftensammlung direkt hier herunterladen:

Sternfahrt zum Verkehrswende-Aktionstag am 20.06.2020

Eingangskundgebung vor dem Lindener Rathaus

Am 20.06.2020 trafen sich ca. 50 Lindener Bürgerinnen und Bürger um gemeinsam vor dem Rathaus auf die in Linden herrschenden verkehrspolitischen Missstände hinzuweisen.

Nach einer etwa 30-minütigen Eingangskundgebung sammelten sich alle Radfahrerinnen, um gemeinsam entlang der von einer Gießener Initiative geplanten RegioTram-Strecke nach Gießen zum dort stattfindenden Verkehrswende-Aktionstag zu fahren.

Abfahrt in Linden

Die Route führte von der Konrad-Adenauer Straße in die Kurt-Schuhmacher Str. bis zum Nettokreisel, dann über die Großen-Lindener Straße in die Leihgesterner Straße und die
Moltkestraße, anschließend in die Alte Heerstraße.

An der Einmündung in die Frankfurter Straße erfolgte der erste Zwischenstopp mit einer Schweigeminute für #Black lives matter (https://taz.de/Black-Lives-Matter-
Protest-in-Deutschland/!5687873/) sowie einem anschließendem „Die in“ an diesem neuralgischen Punkt für Fußgänger und Fahrradfahrer. Hierbei wurden mit Kreide die Körperkonturen der Demonstartionsteilnehmer auf der Straße nachgezeichnet.

„Die-In“ an der Kreuzung Alte Heerstraße / Frankfurter Straße

Von dort ging es weiter über die Gießener Pforte Richtung „Klein Linden“ (L3475).
In Klein-Linden führte uns die Strecke über die Allendorfer Straße, den Friedhofsweg und von dort links in die Hauffstraße, um dann im weiteren Verlauf dann ca. 150m nach der Zusammenführung mit der Brüder-Grimm-Str. links auf den kleinen Parkplatz für eine etwa 10-minütige Pause einzutreffen.
Dort lieferte Jörg Bergstedt Informationen über die Planung der RegioTram-Haltestelle sowie eine mögliche Anbindung der Stadt Gießen an die neu entstehende IC-Strecke von Frankfurt über Wetzlar nach Münster.

Potentieller RegioTram-Haltepunkt Klein-Linden


Weiter ging es dann über den Hegweg in den Brandweg zurück auf die Frankfurter Straße.
Auf Höhe der dort angesiedelten Autohäuser wurden Informationen zum neu angelegten Fahrradweg kommuniziert und darauf hingewiesen, dass die Unterbrechung des Selbigen durch die Ladezone mehr als nur unglücklich ist.
Von dort ging es über die Bahnschienen (geplanter Einmündungspunkt der RegioTram) in die Südanlage , um dann am Ludwigsplatz das Ziel der aus vier umliegenden Kommunen veranstalteten Sternfahrt zu erreichen.

Der Stand der Klimainitiative Linden in Gießen